Rathaus - SPD Bad Aibling

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Wie viele Rathäuser braucht Bad Aibling?

Allein auf weiter Flur: Die Aiblinger SPD für Lösung mit Augenmaß



Anders als die Mehrheit im Aiblinger Stadtrat ist die SPD-Fraktion der Meinung, dass Bad Aibling keine zwei Rathäuser braucht, weil eine Stadtverwaltung unter einem Dach bürgerfreundlicher, effektiver und wirtschaftlicher ist. Die ersten Kostenberechnungen für das zweite Rathaus am Klafferer ernüchtern selbst die Anhänger der "dualen Lösung". Doch der Reihe nach:

1940 brannte das historische Aiblinger Rathaus am Marienplatz ab. In der Kriegs- und Nachkriegszeit war die Stadtverwaltung  in Ausweichquartieren untergebracht, zuletzt im ehemaligen Theresienbad an der Bahnhofstraße (heutiges Ärztehaus).

1973 wurde das jetzige Rathaus bezogen, bewusst gebaut am alten Standort im Herzen der Stadt. Allerdings im Stil der Zeit und ohne heute selbstverständliche Barrierefreiheit und Wärmeisolierung.

Ein Ideenwettbewerb unter ausgewählten Architekturbüros im Jahre 2000 brachte Anregungen für eine Aufwertung des Rathauses. Dabei blieb es vorerst, unter anderem weil man 2004 kräftig "1200 Jahre Bad Aibling"  feiern und dazu keine Baustelle am Marienplatz haben wollte. Auch tauchten immer wieder Vorschläge auf, das Rathaus am Marienplatz zu verkaufen und an anderer Stelle ein neues Rathaus zu bauen (Amtsgericht, Klafferer, Kellerberg, Ludwigsbad).

Um diese Debatte zu beenden, beantragte die SPD-Fraktion 2006:

· Verbleib des Rathauses am Marienplatz, weil es ein wichtiger Frequenzbringer für die Stadtmitte ist.

· Baldmögliche Modernisierung des Rathauses, wobei neben der äußeren Gestaltung auf Barrierefreiheit, Bürgerfreundlichkeit, Energieeinsparung und wirksamen Sonnenschutz zu achten ist.

· Auswahl des Architekten über einen Wettbewerb.

Beim einstimmig beschlossenen Wettbewerb wünschte man von den Teilnehmern eine "wirtschaftliche Lösung", überließ ihnen aber die Wahl zwischen Umbau des Rathauses oder Neubau innerhalb des bestehenden Betonskeletts. Der Architektenwettbewerb endete mit einem Hornberger Schießen: 29 eingereichte Entwürfe, zum Aiblinger Marienplatz teilweise passend wie die Faust aufs Auge. Dem Vorschlag des Preisgerichtes, die Planung den Wettbewerbssiegern, zwei jungen Stuttgarter Architekten, zu übertragen, schloss sich der Stadtrat im Dezember 2007 nur mit der hauchdünnen Mehrheit von einer einzigen Stimme an.

Wegen der "angespannten Finanzlage der Stadt Bad Aibling" wurde ein CSU-Vorschlag verworfen:  Kauf des ehemaligen Aiblinger Landratsamtes am Klafferer und Überprüfung von Nutzungsmöglichkeiten. Als aber private Interessenten für das Gebäude Am Klafferer 4 auftraten, ging es plötzlich schnell: Die Stadt vertauschte dem Eigentümer Landkreis Rosenheim ihr brachliegendes Grundstück an der Ecke Harthauser/Schönbergerstraße, bezahlte als Wertausgleich noch ungefähr den Preis einer Doppelhaushälfte und ist nun Eigentümerin des denkmalgeschützten Hauses am Klafferer.

Im Februar 2008 segnete die Stadtratsmehrheit gegen die Stimmen der SPD-Fraktion die Überlegungen der Stadtverwaltung ab, drei Abteilungen des Rathauses (Hauptamt mit Bürgermeister, Bauamt und Kämmerei) vom Marienplatz auf den Klafferer zu verlegen und dafür die Bücherei im Rathaus von 240 auf 660 qm zu vergrößern. Die SPD-Vorschläge, die kommunale Selbstverwaltung in der Stadtmitte zu belassen, lieber die Bücherei auszulagern, am Klafferer ansprechende Räumlichkeiten für Trauungen zu schaffen, eine Hausmeisterwohnung im Rathaus am Marienplatz beizubehalten und den Beschluss über die Beauftragung der Sieger des Architektenwettbewerbes aufzuheben, gingen unter.

Als nun die beiden Stuttgarter Architekten ihre ersten Entwürfe für um drei Abteilungen reduzierte Verwaltungsräume am Marienplatz und eine vergrößerte Bücherei vorstellten und aus dem Rathaus ein "Bürgerhaus" wurde, folgte die nächste Pleite: obwohl das Treppenhaus herausgerissen und an gleicher Stelle um 90 Grad gedreht wieder eingebaut, ein neuer Aufzug installiert und die Bücherei auf ein ganzes Stockwerk ausgedehnt werden sollte, wurden jetzt Stufenbarrieren sogar dort geplant, wo bisher keine waren: quer durch die Bücherei, innerhalb der Läden und vor dem jetzigen Immobilienbüro der Sparkasse. Trotzdem  wurden die Bedenken der SPD gegen diese Planung niedergestimmt und die Planer mit großer Mehrheit weiter beauftragt.

Schon wenige Tage später dämmerte es auch anderen. Verschämt hinter den Kulissen zunächst vom Bürgermeister, dann vom Stadtrat wurde die Beziehung unter Zahlung eines anständigen Honorars beendet. Bei dieser Gelegenheit kam man auch gleich vom Umbau des Rathauses auf dessen Abbruch unter Erhaltung des Kellergeschosses. Für den nun angesagten Neubau wurde wieder ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Diesmal mussten keine Entwürfe eingereicht, sondern nur die Leistungsfähigkeit der Büros dargelegt werden. Nicht ganz überraschend wurde das Büro Behnisch ausgewählt, in Bad Aibling durch die Therme gut eingeführt.

Die SPD-Fraktion startete einen neuen Versuch, die Gelegenheit des Neubaus zu nutzen und alle Verwaltungsbereiche in einem Amtsgebäude zusammenzufassen, was bei anderweitiger Unterbringung der Bücherei möglich wäre. Auf unsere Kosten erstellte  Architekt Gregor Plötz eine Planung für die Unterbringung der Bücherei im ehemaligen Duschl-Lagerhaus, also in unmittelbarer Nähe des Marienplatzes. Die Pläne sahen auf rund 900 qm Nutzfläche zwei moderne Geschoße über einem herrlich zu gestaltenden Gewölbe vor, wurden vielfach gelobt, nur nicht von denen, die im Stadtrat die Mehrheit haben: CSU und Grüne lehnten es geschlossen ab, dass die Pläne dem Stadtrat überhaupt vorgestellt werden durften. Ein Novum in der Aiblinger Kommunalpolitik!

Dafür plant man nun ein zweites Rathaus am Klafferer. Obwohl uns Stadträten das Gebäude vor dem Kauf als "tipp topp in Ordnung" geschildert wurde, für das nur ein Aufzug, Malerarbeiten und die EDV erforderlich seien, ist man für Umbau und Sanierung von 775 qm Nutzfläche inzwischen bei Kosten von 2,8 Millionen Euro angelangt (ohne Einrichtung, ohne Außenanlagen und ohne Behebung des zu allem Überfluss festgestellten Hausschwamms).

Würde man, wie von der SPD vorgeschlagen, die mit 660 qm veranschlagte Bücherei statt im Bürgerhaus/Rathaus am Marienplatz anderweitig unterbringen und die geplante Grundrissvergrößerung weniger für luftige Hallen und ein Café nutzen, ließen sich die 775 qm Nutzfläche vom Klafferer spielend am Marienplatz unterbringen. Das Rathaus wäre dann auch künftig als Ganzes und bürgerfreundlich im Herzen der Stadt und die Bücherei könnte eine andere Ecke des Stadtzentrums aufwerten, das bekanntlich nicht nur aus dem Marienplatz besteht und nicht nur dort eine Aufwertung gut vertragen könnte.

Was bei Firmen selbstverständlich ist - alle Büros möglichst an einem Standort - warum nicht auch bei der Stadt Bad Aibling?  Aber die nächste Generation braucht Aufgaben, z. B. die bürgerfreundliche und kostengünstige Wiedervereinigung der Stadtverwaltung in einem einzigen Rathaus!

Richard Lechner
SPD-Fraktion im Stadtrat Bad Aibling


Theresienbad

Marienplatz anno 1900

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